MÜNCHENER ABKOMMEN 1938

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MÜNCHENER ABKOMMEN 1938
i. Lieferung, © Politisches Lexikon, Hannover März 1968
Englisch-französische Vorschläge vom 19. 9.1938 (an die Regierung der Tschechoslowakei gerichtet)
Nach: Berber, Das Diktat von Versailles, S. 1588 t.
„Die Vertreter der französischen und der britischen Regierung haben heute (am 18. September in London) über die allgemeine Lage in Beratung gestanden und den Bericht des britischen Premierministers über seine Unterredung mit Herrn Hitler (am 15. September) in Erwägung gezogen. Die britischen Minister legten ferner ihren französischen Kollegen die Schlußfolgerungen dar, die sie aus dem ihnen durch Lord Runciman über das Werk seiner Mission gelieferten Bericht gezogen haben. Wir sind beide überzeugt, daß nach den jüngsten Ereignissen nunmehr der Punkt erreicht ist, wo das weitere Verbleiben der hauptsächlich von Sudetendeutschen bewohnten Distrikte innerhalb der Grenzen des tschechoslowakischen Staates tatsächlich nicht länger andauern kann, ohne die Interessen der Tschechoslowakei selbst und des europäischen Friedens zu gefährden. Im Licht dieser Erwägungen haben sich beide Regierungen zu der Schlußfolgerung gezwungen gesehen, daß die Aufrechterhaltung des Friedens und die Sicherheit der Lebensinteressen der Tschechoslowakei nicht wirksam gesichert werden kann, es sei denn, diese Gebiete werden nunmehr dem Reich übertragen.
1. Dies kann entweder durch direkte Abtretung oder als Ergebnis einer Volksabstimmung geschehen. Wir vergegenwärtigen uns die mit einer Volksabstimmung verbundenen Schwierigkeiten, und wir kennen die von Ihnen gegen dieses Verfahren bereits (in der Note vom 12. September) geäußerten Einwendungen, besonders die Möglichkeit weitreichender Rückwirkungen, falls die Angelegenheit auf der Grundlage eines so umfassenden Prinzips behandelt würde. Aus diesem Grunde setzen wir mangels eines gegenteiligen Anzeichens voraus, daß Sie es vorziehen werden, das sudetendeutsche Problem auf dem Wege einer direkten Abtretung und als einen Fall für sich zu behandeln.
2. Das Abtretungsgebiet würde wahrscheinlich Gebiete mit mehr als 50 Prozent deutschen Einwohnern zu umfassen haben; wir hoffen aber, auf dem Verhandlungswege Vorkehrungen zur Berichtigung von Grenzen zu treffen, wo die Umstände es nötig machen, und zwar durch einen internationalen Ausschuß, in dem auch ein tschechischer Vertreter sitzen wird. Wir sind überzeugt, daß die Abtretung kleinerer Gebiete mit einem höheren Prozentsatz der Lage nicht entspricht.
3. Der erwähnte internationale Ausschuß könnte sich auch mit Fragen eines möglichen Bevölkerungsaustausches auf der Grundlage des Rechts zur Option innerhalb einer bestimmten Zeitspanne befassen.

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4. Wir anerkennen, daß, falls die tschechoslowakische Regierung bereit ist, sich mit den vorgeschlagenen Maßnahmen, die materielle Änderungen in den Voraussetzungen des Staates einschließen, für einverstanden zu erklären, sie berechtigt ist, eine Versicherung hinsichtlich ihrer zukünftigen Sicherheit zu verlangen.
5. Dementsprechend würde Seiner Majestät Regierung im Vereinigten Königreich bereit sein, als Beitrag zur Befriedung Europas sich einer internationalen Garantie der neuen Grenzen des tschechoslowakischen Staates gegen einen unprovozierten Angriff anzuschließen. Eine der Grundbedingungen für eine solche Garantie würde der Schutz der Unabhängigkeit der Tschechoslowakei auf dem Wege der Ersetzung bestehender Verträge, die wechselseitige Verpflichtungen militärischen Charakters enthalten, durch eine generelle Garantie gegen einen unprovozierten Angriff sein.
6. Die französische und die britische Regierung erkennen beide an, wie groß das damit von der tschechoslowakischen Regierung um des Friedens willen geforderte Opfer ist. Da aber dieser im allgemeinen Interesse Europas und im besonderen Interesse der Tschechoslowakei liegt, hielten sie es für ihre Pflicht, gemeinsam die Bedingungen offen darzulegen, die zu seiner Sicherung wesentlich sind.
7. Der Premierminister muß die Besprechungen mit Herrn Hitler nicht später als Mittwoch (21. September) und, wenn möglich, früher wieder-aufnehmen. Wir glauben daher, um Ihre baldmöglichste Antwort bitten zu müssend“
Amtliche Mitteilung über die Annahme der englisch-französischen Vorschläge durch die Prager Regierung am 21. 9. 1938 Nachmittag
„Die tschechoslowakische Regierung hat sich unter dem unwiderstehlichen Druck der britischen und der französischen Regierung gezwungen gesehen, schmerzerfüllt die in London ausgearbeiteten Vorschläge anzunehmen/“
Die Münchener Konferenz.
Aufzeichnungen über die erste Besprechung zwischen den Regierungschefs Deutschlands, Frankreichs, Großbritanniens und Italiens in München am 29. 9.1938
Nach: Akten zur deutschen Auswärtigen Politik 1918—1945, Serie D, Bd. II, S. 804 ff.
Der Führer eröffnete um 12 Uhr 45 die Besprechungen und sprach den erschienenen Regierungschefs seinen Dank dafür aus, daß sie seiner Einladung gefolgt seien. Er fügte hinzu, er wolle zunächst einen kurzen Abriß der tschechischen Frage, wie sie sich augenblicklich darstelle, geben.

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Die Existenz der Tschechoslowakei bedrohe in ihrer gegenwärtigen Gestalt den europäischen Frieden. Die deutschen, ungarischen, slowakischen, polnischen und karpathorussischen Minderheiten, die gegen ihren Willen in diesen Staat hineingepreßt worden seien, revoltierten gegen das Fortbestehen dieses Staates. Er, der Führer, könne nur als Sprecher für die deutschen Minderheiten auftreten.
Im Interesse des europäischen Friedens müsse das Problem in der kürzesten Frist gelöst werden, und zwar durch die Einlösung des von der Tschechischen Regierung abgegebenen Versprechens der Übergabe. Deutschland könne dem Jammer und Elend der sudetendeutschen Bevölkerung nicht länger zusehen. In zunehmendem Maße liefen Nachrichten über Zerstörung von Eigentum ein. Die Bevölkerung werde einer barbarischen Verfolgung ausgesetzt. Seitdem er, der Führer, zum letzten Mal mit Herrn Chamberlain gesprochen habe, sei die Zahl der Flüchtlinge auf 240 000 gestiegen, und der Strom schiene kein Ende zu nehmen. Zudem sei es erforderlich, daß die politische, militärische und wirtschaftliche Spannung, die unerträglich geworden sei, ein Ende finde. Diese Spannung mache es erforderlich, das Problem in einigen Tagen zu lösen, da man Wochen lang nicht mehr warten könne. Auf den Wunsch des italienischen Regierungschefs Mussolini habe er, der Führer, sich bereit erklärt, die Mobilmachung in Deutschland um 24 Stunden zu verschieben. Ein weiteres Zögern würde ein Verbrechen sein. Um das Problem zu lösen, seien die verantwortlichen Staatsmänner Europas hier zusammengekommen, und er stelle fest, daß die Differenzen eigentlich minimal seien, denn erstens sei man sich darüber einig, daß das Gebiet an Deutschland abgetreten werden müsse, und zweitens, daß Deutschland nichts anderes als dieses Gebiet beanspruche. Um genau festzustellen, um welches Gebiet es sich handle, könne man jedoch nicht eine Kommission entscheiden lassen. Es sei vielmehr eine Volksabstimmung erforderlich, zumal seit 20 Jahren keine freie Wahl mehr in der Tschechoslowakei statt gefunden hätte. Er habe nun in seiner Rede im Sportpalast erklärt, daß er auf alle Fälle am 1. Oktober einmarschieren werde. Hierauf sei ihm erwidert worden, daß diese Aktion den Charakter eines Gewaltaktes haben würde. Es läge also die Aufgabe vor, dieser Aktion diesen Charakter zu nehmen. Es müsse aber sofort gehandelt werden, einmal aus dem Grunde, weil die Verfolgungen nicht länger mit angesehen werden könnten, und zudem, weil man angesichts der schwankenden Auffassungen in Prag keine Verzögerung mehr dulden könne. Militärisch sei die Besetzung kein Problem, denn die Tiefen seien an allen Seiten nur ziemlich gering. Bei einigem guten Willen müßte es infolgedessen möglich sein, in zehn Tagen, ja er sei überzeugt, schon in sechs bis sieben Tagen, das Gebiet zu räumen. Um der öffentlichen Meinung Englands und Frankreichs entgegenzukommen, wolle er die Frage offen lassen, ob Deutschland auch in das Gebiet einmarschieren

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solle, in dem abgestimmt werden würde. In diesem Falle müßte aber eine paritätische Situation dadurch geschaffen werden, daß die Tschechen ihrerseits ein gleiches täten. Über die Modalitäten der Übergabe könne man sprechen, aber es müsse schnell gehandelt werden. Daß sich in Europa bewaffnete Mächte wie jetzt gegenüberständen, sei auf die Dauer unerträglich.
Premierminister Chamberlain dankte zunächst dem Führer für die Einladung zu den Besprechungen und dehnte diesen Dank auch auf den Duce aus, auf dessen Initiative, wenn er recht verstanden habe, die heutigen Besprechungen mit zurückzuführen seien. Die heutigen Besprechungen geben Europa eine neue Atempause, während gestern noch die Katastrophe unmittelbar bevorzustehen schiene. Er sehe durchaus ein, daß schnell gehandelt werden müsse, und er begrüße besonders die Erklärung des Führers, daß er nicht Gewalt anwenden, sondern Ordnung schaffen wolle. Falls man in diesem Geiste an das Problem herangehe, sei er sicher, daß man zu Resultaten kommen müsse.
Der italienische Regierungschef führte hierauf aus, daß man sich theoretisch bereits geeinigt habe und daß es jetzt nur darauf ankomme, diese theoretische Einigkeit in die Praxis umzusetzen. Von besonderer Wichtigkeit sei hierbei das Zeitmoment. Jede Verzögerung sei eine Quelle von Gefahren. Er bestehe besonders deshalb auf einem beschleunigten Verfahren, weil Beschleunigung durchaus mit Gerechtigkeit in Einklang zu bringen sei. Es sei besser, noch heute zu einer Einigung zu kommen, da eine Vertagung auch nur um 24 Stunden neue Beunruhigung und neuen Argwohn erzeugen würde. Um eine praktische Lösung des Problems herbeizuführen, wolle er folgenden Vorschlag machen:1)
Die grundsätzliche Übergabe des gesamten sudetendeutschen Gebietes an das Reich vorbehaltlich der Korrekturen, die sich aus der Abstimmung in den umstrittenen Gebieten ergeben, erfolgt nach folgendem Modus:
1. Beginn der Räumung erfolgt am ersten Oktober.
2. Die Garantiemächte England, Frankreich und Italien garantieren Deutschland, daß die Räumung des Gebietes ohne Zerstörung bestehender Einrichtungen bis 10. Oktober durchgeführt ist.
3. Die Modalitäten der Räumung werden präzisiert durch eine internatio-
0 Erich Kordt hat im Prozeß gegen Ernst v. Weizsäcker über die Entstehung des italienischen Vorschlages erklärt: Weizsäcker habe mit Neurath und Göring eine kurze Note ausgearbeitet, die die möglichen Bedingungen für einen Kompromiß in der sudetendeutschen Frage enthielt. Göring habe den Entwurf Hitler vorgelegt, der dazu geäußert habe, daß ihm das vielleicht genehm wäre. Weizsäcker habe daraufhin diese Note dem italienischen Botschafter in Berlin, Attolico, übermittelt, der sie an Mussolini weitergegeben habe. Zur Überraschung Ribbentrops habe dann Mussolini diesen Vorschlag auf der Münchener Konferenz als seinen eigenen vorgelegt. (Protokoll der Sitzung des Militärgerichshofs Nr. IV, Fall XI, USA gegen Ernst v. Weizsäcker, Nürnberg, h 6. 1948. — Vgl. hierzu Kordt, Wahn und Wirklichkeit, S. 129—131).

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nale Kommission, in der Deutschland, England, Frankreich, Italien und die Tschechoslowakei vertreten sind.
4. Strittige Gebiete werden bis zur durchgeführten Abstimmung durch internationale Kräfte besetzt. Grundlage für die Abstimmung ist der Modus der Saarabstimmung.
5. Der Beginn der etappenweisen Besetzung vorwiegend deutschen Gebietes durch deutsche Truppen erfolgt am 1. Oktober.
Der französische Ministerpräsident Daladier dankte dem Führer gleichfalls für seine Initiative. Er freue sich, jetzt Gelegenheit zu haben, mit ihm persönlich zusammenzutreffen. Der Plan eines solchen Zusammentreffens habe ja früher schon bestanden, sei aber leider durch die Umstände bis jetzt verhindert worden. Ein französisches Sprichwort sage aber: Besser spät als niemals.
Ministerpräsident Daladier sprach sodann auch dem Duce seine besondere Bewunderung für seinen Schritt aus, der hoffentlich zu einer Lösung der Frage führen werde. Ebenso wie Herr Chamberlain sei er der Auffassung, daß man mit der größten Geschwindigkeit vorgehen müsse. Er begrüße besonders den von objektivem und realistischem Geist getragenen Vorschlag des Duce, den er als Diskussionsbasis annehme. Das bedeute natürlich nicht, daß er in allen Punkten zustimme, denn einmal müßten wirtschaftliche Gesichtspunkte berücksichtigt werden, um nicht den Grund für zukünftige Kriege zu legen. Schließlich bliebe noch die Frage der Organisation des Plebiszits und der Abgrenzung der Zone übrig. Er erwähne diese Punkte nur, da er den soeben verlesenen Vorschlag noch nicht genau studiert habe. Er wolle ihn aber schon jetzt als Diskussionsbasis annehmen.
Premierminister Chamberlain begrüßte gleichfalls den Vorschlag des Duce und erklärte, daß er sich auf der Linie dieses Vorschlages selbst die Lösung gedacht habe. Wegen der von England geforderten Garantie würde er es begrüßen, wenn man einen Vertreter der Tschechischen Regierung bei der Hand haben würde. Denn England könne natürlich keine Garantie dafür übernehmen, daß das Territorium bis zum 10. Oktober geräumt und keine Zerstörungen stattgefunden hätten, falls hierfür keine Zusicherung der Tschechischen Regierung vorliege.
Der Führer erwiderte hierauf, daß es ihm nicht auf die Zusicherung der Tschechischen Regierung ankomme, denn diese Regierung sei ja gerade dabei Zerstörungen vorzunehmen. Die Frage sei ja gerade, wie man die Tschechische Regierung zur Annahme des Vorschlages bringe. Es bestehe Einigkeit darüber, daß Deutschland das Gebiet abgetreten erhalte. Die Tschechen behaupten aber, eine Räumung nicht vornehmen zu können, bevor nicht neue Befestigungen hergestellt und wirtschaftliche Entscheidungen gegeben seien.

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Ministerpräsident Daladier erwiderte, daß die französische Regierung eine dilatorische Behandlung der Angelegenheit durch die Tschechische Regierung keineswegs dulden werde. Die Tschechische Regierung habe ihr Wort gegeben und müsse es einlösen. Es könne keineswegs davon die Rede sein, die Räumung des Gebiets aufzuschieben, bis neue Befestigungen angelegt seien. Diesen Gedanken bitte er aus der Diskussion vollkommen auszuschließen, denn die Tschechische Regierung erhalte ja eine Garantie für ihre Cessionen. Im übrigen sei er aber, wie Herr Chamberlain, der Auffassung, daß die Anwesenheit eines tschechischen Vertreters, den man eventuell konsultieren könne, von Nutzen sein würde. Dies schiene ihm vor allen Dingen deshalb nützlich, um Unordnung zu vermeiden, die bei einer so delikaten Angelegenheit wie einer Gebietscession leicht auftreten könnte. Es müsse alles getan werden, um ein Chaos zu verhindern.
Der Führer erwiderte hierauf, daß, falls man die Tschechische Regierung bei jedem Detail erst um ihre Zustimmung fragen müsse, eine Lösung nicht vor 14 Tagen zu erwarten sei. Im Vorschlag des Duce sei ja eine Kommission vorgesehen, in der auch ein Vertreter der Tschechischen Regierung sitzen solle. Ihm liege vor allem an einer Garantie der Großmächte, die ihre Autorität dafür einsetzen sollten, daß die Tchcchischc Regierung nicht mit ihren Verfolgungen und Zerstörungen fortfahre.
Premierminister Chamberlain erwiderte hierauf, er sei auch nicht der Auffassung, daß man länger warten solle. Bevor er aber eine Garantie übernehme, müsse er wissen, ob er sie auch einhalten könne, und aus diesem Grunde würde er es begrüßen, wenn man einen Prager Vertreter im Nebenzimmer haben würde, um von ihm Zusicherungen zu erhalten.
Der Führer erwiderte hierauf, daß ein tchechischer Vertreter, der mit Autorität für seine Regierung sprechen könne, nicht zur Hand sei. Die interessante Frage für ihn sei, was passiere, wenn die Tschechische Regierung den Vorschlag der Großmächte nicht annähme. Augenblicklich seien 247 Brücken und eine noch größere Anzahl Häuser zerstört worden.
Der italienische Ministerpräsident führte aus, auch ihm schiene es nicht möglich, auf einen tschechischen Vertreter zu warten. Die Großmächte müßten eine moralische Garantie für Räumung und Nichtzerstörung übernehmen. Sie müßten in Prag darauf hinweisen, daß die Tschechische Regierung die Forderungen anzunehmen habe, widrigenfalls sie die militärischen Folgen zu tragen haben würde. Es handle sich um eine Art Ersuchen der Großmächte, die eine moralische Verpflichtung dafür hätten, daß dieses Gebiet nicht als Wüste übergeben würde.
Premierminister Chamberlain erwiderte, daß er gern einen tschechischen Vertreter zugegen haben würde. Im übrigen schienen ihm die vom Duce vorgeschlagenen Zeitpunkte durchaus vernünftig zu sein. Er sei bereit, seinen Namen darunter zu setzen und der Tschechischen Regierung mitzu-

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teilen, sie möge sie annehmen. Er könne aber keine Garantie übernehmen, bevor er wisse, wie er sie einhalten könne. Außerdem seien noch einige Einzelfragen zu klären: Welche Kompetenzen würde die internationale Kommission haben und welches Regime würde in dem Territorium herrschen, wenn es geräumt worden sei? Er habe keine Zweifel, daß der Führer die Ordnung aufrecht erhalten werde und auch dafür sorgen würde, daß diejenigen Bewohner, die gegen den Anschluß eingestellt seien, nicht verfolgt würden. Einige Punkte im deutschen Memorandum seien aber in England mißverstanden worden. So habe man sich gefragt, was die Bestimmung zu bedeuten habe, daß aus diesem Gebiet kein Vieh weggeführt werden dürfe. Bedeute dies, daß man die Bauern fortschicken, aber ihr Vieh zurückbehalten werde?
Der Führer erwiderte, daß in dem an Deutschland abzutretenden Gebiet selbstverständlich die deutschen Gesetze Anwendung finden würden. Im übrigen sei es genau umgekehrt. Gegenwärtig trieben die Tschechen das Vieh der deutschen Bauern fort und nicht umgekehrt. Entscheidend schiene zu sein, ob man die Frage als einen deutsch-tschechischen Konflikt betrachte, der in 14 Tagen gelöst werden würde, oder aber als ein Problem von europäischer Bedeutung. Wenn es sich um ein europäisches Problem handele, dann müßten die Großmächte ihre Autorität in die Waagschale werfen und die Verantwortung dafür übernehmen, daß die Übergabe richtig erfolge. Falls nämlich die Tschechische Regierung diese Vorschläge nicht annehmen wolle, dann sei es klar, daß die größte Autorität moralischer Art, die überhaupt bestehen müßte, nämlich die Autorität, die durch die Unterschrift der hier versammelten vier Staatsmänner verkörpert werde, daß auch wirtschaftliche, geographische und politische Momente für die nicht ausreichen würde. In diesem Falle würde nur Gewaltanwendung die Frage lösen können.
Premierminister Chamberlain erwiderte, er habe gegen die vorgeschlagenen Termine keine Einwendungen zu erheben. Die tschechische Frage sei eine europäische Frage, und die Großmächte hätten sie zu lösen nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht. Sie hätten auch dafür zu sorgen, daß die Tschechische Regierung nicht aus Unvernunft und Hartnäckigkeit die Räumung ablehne. Er habe den Wunsch, die Autorität der Großmächte in der richtigen Weise anzuwenden, und darum habe er vor, den Plan des Duce zunächst zu verteilen und die Sitzung auf kurze Zeit zu unterbrechen, damit dieser Plan studiert werden könne. Ein solches Verfahren bedeute keine Verzögerung.
Ministerpräsident Daladier führte aus, daß er bereits seine Verantwortung in London übernommen habe, als er, ohne die Tschechische Regierung zu fragen, aus Prinzip die Abtretung des deutschen Gebiets angenommen habe. Er habe diesen Standpunkt eingenommen, obwohl Frankreich einen

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Bündnisvertrag mit der Tschechoslowakei habe. Falls die Zuziehung eines Prager Vertreters Schwierigkeiten mache, sei er bereit, darauf zu verzichten, denn es komme darauf an, daß die Frage schnell gelöst werde.
Der Führer erwiderte hierauf, daß, wenn ein Dokument mit den Unterschriften der vier Staatsmänner trotzdem von der Prager Regierung abgelehnt werde, letzten Endes Prag nur die Gewalt respektiere.
Die zweite Besprechung zwischen den Regierungschefs Deutschlands, Frankreichs, Großbritanniens und Italiens in München am 29. 9.1938
Aufzeichnung des Legationsrats Erich Kordt
Ebenda, S. 810 f.
Auf Vorschlag des Duce wurde zunächst beschlossen, den am Vormittag den Delegationen zugestellten italienischen Vorschlag Punkt für Punkt zu besprechen. Zunächst wurde Punkt 1 (Beginn der Räumung am 1.10.) einstimmig angenommen.
Zu Punkt 2 führte der Führer aus, daß, falls auch über diesen Punkt Einverständnis erzielt werden könne, die Frage der Modalitäten keine großen Schwierigkeiten bereiten würde. Sein Vorschlag gehe dahin, zunächst auf der Karte gewisse Etappen der deutschen Besetzung festzulegen, deren Modalitäten alsdann in einer Kommission, in der auch ein tschechischer Vertreter sitzen werde, festgelegt werden könnten.
Ministerpräsident Chamberlain erklärte sich mit dem in Punkt 2 festgelegten Datum der Beendigung der Räumung des deutschen Gebiets, dem 10. Oktober, einverstanden. Er äußerte jedoch Zweifel über die Möglichkeit, eine Garantie an Deutschland zu geben, solange er nicht wisse, wie die Tschechoslowakei sich zur Räumungsfrage verhalte.
Zu der Frage, ob für die Gewährung der im italienischen Vorschlag vorgesehenen Garantie die vorherige Zustimmung der Tschechoslowakei eingeholt werden müßte, so wie es Mr. Chamberlain anzuregen schien, äußerte sich Daladier dahingehend, daß ihm eine derartige Zustimmung nicht notwendig erscheine. Er habe seinerzeit auch dem Grundsatz der Gebietsabtretung der Tschechoslowakei an England1) trotz des französisch-tschechischen Paktes ohne vorherige Rückfrage bei der Tschechoslowakischen Regierung zugestimmt und stehe jetzt auf dem Standpunkt, daß das, was einmal zugesagt sei, auch gehalten werden müsse. Den vorher in der Debatte erwähnten tschechoslowakischen Einwand, daß die Räumung erst erfolgen könne, wenn neue Befestigungen auf tschechischem Gebiet fertiggestellt seien, lehnte Daladier ebenfalls unter Hinweis auf die englisch-französische i
i) Anscheinend ein Schreibfehler für England gegenüber oder in England.

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Garantie ab. Eine Räumung des rein deutschen Gebietes könne demnach schnell erfolgen; Schwierigkeiten träten erst da auf, wo Sprachinseln beständen. In diesem Distrikt schiene ihm eine internationale Besetzung durch englische, italienische und französische Streitkräfte zweckmäßig zu sein. Außerdem sei es seiner Auffassung nach notwendig, in Ergänzung des Wilson’schen Prinzips der Selbstbestimmung den geographischen, wirtschaftlichen und politischen Realitäten Rechnung zu tragen. Im übrigen könne man hinsichtlich der Sprachinseln auch das in Griechenland, der Türkei, Bulgarien und Polen angewandte Prinzip des Bevölkerungsaustauschs anwenden.
Der Führer erklärt sich damit einverstanden, daß die Bezirke mit einer zweifelhaften Mehrheit nicht von den deutschen Truppen besetzt, sondern zunächst von internationalen Verbänden okkupiert würden. Er sei bereit, bei der Grenzziehung territorial weitherzig zu verfahren, falls der Punkt 2 angenommen werde. Die von Herrn Daladier aufgestellte These, daß auch wirtschaftliche, geographische und politische Momente für die Grenzziehung in Rechnung gestellt werden sollen, schien ihm im übrigen gefährlich zu sein, denn es sei dieselbe These, der der tschechoslowakische Staat 1918 sein Entstehen verdankte. Man habe damals ein wirtschaftlich lebensfähiges, aber national nicht lebensfähiges Gebilde geschaffen. Außerdem ließen sich wirtschaftliche Schwierigkeiten leichter bereinigen, als nationale, umsomehr, als die Tschechoslowakei, die keine alte Kultumation sei, deutsche Bevölkerungsteile nicht assimilieren könnte.
Nach einer längeren Aussprache über die unterschiedliche Bedeutung des Wortes „Garantie“ in England und auf dem Kontinent wurde der Punkt einem Redaktionsausschuß zur Neufassung überwiesen. Dieser Ausschuß gelangte nach längeren Besprechungen zu der im Vertragstext erscheinenden Präambel sowie zu einer Neufassung von Ziffer 2.
Die Verhandlung löste sich hier in Einzelbesprechungen auf, die insbesondere an Hand von Karten die zu räumenden Zonen sowie das zur Abstimmung zu stellende Gebiet zum Gegenstand hatten. Im Verlauf dieser Besprechungen schlug Daladier den Austausch einer größeren Zone vorwiegend deutschen Gebiets an der schlesischen Grenze, in der tschechische Befestigungen angelegt seien, gegen einen entsprechenden Gebietsstreifen am Böhmerwald vor, mit dem Bemerken, daß das Bestehen der tschechischen Befestigungen nicht der einzige Grund für diesen Vorschlag sei, sondern daß er ihn auch aus verkehrspolitischen und psychologischen Gründen vorbringe.
Der Führer lehnte diesen Vorschlag mit Rücksicht auf den rein deutschen Charakter der betreffenden Gebiete ab, erklärte sich jedoch nach längeren Verhandlungen zur Annahme einer im Vertragstext erscheinenden Formel über Grenzberichtigungen (vgl. Ziffer 6 des M. Abkommens) bereit.

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Daladier sprach dem Führer hierfür seinen wärmsten Dank aus und erklärte, daß ihm die Annahme dieser Formel die Stellung in Frankreich wesentlich erleichtere. Er würde in Frankreich berichten, daß der Führer ihm (Daladier) gegenüber diese persönliche Geste gemacht habe.
Die auf Grund der Einzelbesprechungen zwischen den Staatsmännern festgelegten Vereinbarungen wurden daraufhin von einem Redaktionsausschuß der vier Mächte unter Mitwirkung der juristischen Berater der Delegationen endgültig formuliert und gegen 10 Uhr abends zur ersten Lesung gebracht. Der endgültige Vertragstext lag um 11 Uhr vor und wurde in der Zeit von 11 bis 12 Uhr in vier Sprachen unterzeichnet. Ebenso wurde gleichzeitig eine Zusatzerklärung über die Lösung des Problems der polnischen und magyarischen Minderheiten, die auf einen Vorschlag von Mussolini zurückging, ferner ein Zusatzabkommen über eine für die neuen Grenzen des tschechischen Staates zu gewährende Garantie, eine Zusatzerklärung, nach der alle Fragen, die sich aus der Gebietsübergabe ergeben, zur Zuständigkeit des neu zu bildenden internationalen Ausschusses gehören, sowie eine weitere Zusatzerklärung über die Zusammensetzung der internationalen Kommission in Berlin, angenommen.
Zum Schluß dankte der Führer den ausländischen Staatsmännern für die Annahme seiner Einladung zur Vierer-Besprechung nach München sowie für ihre Bemühungen um die Erzielung des glücklichen Ergebnisses der Verhandlungen. Sowohl das deutsche Volk als auch die anderen beteiligten Völker würden dieses Ergebnis mit der größten Freude begrüßen und wenn er einen Dank auszusprechen habe, so tue er dies auch gleichzeitig im Namen des deutschen Volkes.
Chamberlain erwiderte im Namen der ausländischen Staatsmänner und schloß sich den Ausführungen des Führers über die Zufriedenheit der betroffenen Völker mit dem Münchener Ergebnis an. Er unterstrich im übrigen die Bedeutung des Abkommens für die Weiterentwicklung der europäischen Politik.
gez. Erich Kordt
Abkommen zwischen Deutschland, dem Vereinigten Königreich von Großbritannien, Frankreich und Italien, getroffen in München am 29. [30.] September 1938
Nach: Reichsgesctzsblatt 1938, II, S. 853
Deutschland, das Vereinigte Königreich, Frankreich und Italien sind unter Berücksichtigung des Abkommens, das hinsichtlich der Abtretung des sudetendeutschen Gebiets bereits grundsätzlich erzielt wurde1), über folgende
Zwischen England und Frankreich in London am 18. September 1938.

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Bedingungen und Modalitäten dieser Abtretung und über die danach zu ergreifenden Maßnahmen übereingekommen und erklären sich durch dieses Abkommen einzeln verantwortlich für die zur Sicherung seiner Erfüllung notwendigen Schritte.
1. Die Räumung beginnt am 1. Oktober.
2. Das Vereinigte Königreich, Frankreich und Italien vereinbaren, daß die Räumung des Gebiets bis zum 10. Oktober vollzogen wird, und zwar ohne Zerstörung irgendwelcher bestehender Einrichtungen, und daß die Tschechoslowakische Regierung die Verantwortung dafür trägt, daß die Räumung ohne Beschädigung der bezeichneten Einrichtungen durchgeführt wird.
3. Die Modalitäten der Räumung werden im einzelnen durch einen internationalen Ausschuß festgelegt, der sich aus Vertretern Deutschlands, des Vereinigten Königreichs, Frankreichs, Italiens und der Tschechoslowakei zusammensetzt.
4. Die etappenweise Besetzung des vorwiegend deutschen Gebiets durch deutsche Truppen beginnt am 1. Oktober. Die vier auf der anliegenden Karte2) bezeichneten Gebietsabschnitte werden in folgender Reihenfolge durch deutsche Truppen besetzt:
Der mit I bezeichnete Gebietsabschnitt am 1. und 2. Oktober, der mit II bezeichnete Gebietsabschnitt am 2. und 3. Oktober, der mit III bezeichnete Gebietsabschnitt am 3., 4. und 5. Oktober, der mit IV bezeichnete Gebiets abschnitt am 6. und 7. Oktober.
Das restliche Gebiet vorwiegend deutschen Charakters wird unverzüglich von dem obenerwähnten internationalen Ausschuß festgestellt und bis zum 10. Oktober durch deutsche Truppen besetzt werden.
5. Der im Paragraph 3 erwähnte internationale Ausschuß wird die Gebiete bestimmen, in denen eine Volksabstimmung stattfinden soll. Diese Gebiete werden bis zum Abschluß der Volksabstimmung durch internationale Formationen besetzt werden. Der gleiche Ausschuß wird die Modalitäten festlegen, unter denen die Volksabstimmung durchgeführt werden soll, wobei die Modalitäten der Saar-Abstimmung als Grundlage zu betrachten sind. Der Ausschuß wird ebenfalls den Tag festsetzen, an dem die Volksabstimmung stattfindet; dieser Tag darf jedoch nicht später als Ende November liegen.
6. Die endgültige Festlegung der Grenzen wird durch den internationalen Ausschuß vorgenommen werden. Dieser Ausschuß ist berechtigt, den vier Mächten Deutschland, dem Vereinigten Königreich, Frankreich und Italien in bestimmten Ausnahmefällen geringfügige Abweichungen von der streng
2) Hier nicht beigegeben.

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ethnographischen Bestimmung der ohne Volksabstimmung zu übertragenden Zonen zu empfehlen.
7. Es wird ein Optionsrecht für den Übertritt in die abgetretenen Gebiete und für den Austritt aus ihnen vorgesehen. Die Option muß innerhalb von 6 Monaten vom Zeitpunkt des Abschlusses dieses Abkommens an ausgeübt werden. Ein deutsch-tschechoslowakicher Ausschuß wird die Einzelheiten der Option bestimmen, Verfahren zur Erleichterung des Austausches der Bevölkerung erwägen und grundsätzliche Fragen klären, die sich aus diesem Austausch ergeben.
8. Die Tschechoslowakische Regierung wird innerhalb einer Frist von 4 Wochen- vom Tage des Abschlusses dieses Abkommens an alle Sudetendeutschen aus ihren militärischen und politischen Verbänden entlassen, die diese Entlassung wünschen. Innerhalb derselben Frist wird die Tschechoslowakische Regierung sudetendeutsche Gefangene entlassen, die wegen politischer Delikte Freiheitsstrafen verbüßen.
München, den 29. September 1938.
Adolf Hitler.
Neville Chamberlain. Ed. Daladier.
Mussolini.
Zusatz zu dem Abkommen.1)
Seiner Majestät Regierung im Vereinigten Königreich und die Französische Regierung haben sich dem vorstehenden Abkommen angeschlossen auf der Grundlage, daß sie zu dem Angebot stehen, welches in Paragraph 6 der englisch-französischen Vorschläge vom 19. September enthalten ist, betreffend eine internationale Garantie der neuen Grenze des Tschechoslowakischen Staats gegen einen unprovozierten Angriff.
Sobald die Frage der polnischen und ungarischen Minderheiten in der Tschechoslowakei geregelt ist, werden Deutschland und Italien ihrerseits der Tschechoslowakei eine Garantie geben.
München, den 29. September 1938
Zusatzerklärung.
Die vier anwesenden Regierungschefs sind darüber einig, daß der in dem heutigen Abkommen vorgesehene Ausschuß sich aus dem Staatssekretär des
*) Die in dem Zusatz vorgesehene Garantie wurde von keiner der vier Mächte abgegeben.

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Auswärtigen Amts, den in Berlin beglaubigten Botschaftern Englands, Frankreichs und Italiens und einem von der Tschechoslowakischen Regierung zu ernennenden Mitglied zusammensetzt.
München, den 29. September 1938.
Zusatzerklärung.
Alle Fragen, die sich aus der Gebietsübergabe ergeben, gelten als zur Zuständigkeit des internationalen Ausschusses gehörig.
München, den 29. September 1938.
Zusätzliche Erklärung.
Die Regierungschefs der vier Mächte erklären, daß das Problem der polnischen und ungarischen Minderheiten in der Tschechoslowakei, sofern es nicht innerhalb von 3 Monaten durch eine Vereinbarung unter den betreffenden Regierungen geregelt wird, den Gegenstand einer weiteren Zusammenkunft der hier anwesenden Regierungschefs der vier Mächte bilden wird.
München, den 29. September 1938.
Deutsch-englische Erklärung vom 30. 9. 1938
Nach: Monatshefte für Auswärtige Politik, Jg. 5, 1938, S. 998.
Wir haben heute eine weitere Besprechung gehabt und sind uns in der Erkenntnis einig, daß die Frage der deutsch-englischen Beziehungen von allererster Bedeutung für beide Länder und für Europa ist.
Wir sehen das gestern abend unterzeichnete Abkommen1) und das deutschenglische Flottenabkommen* 2) als symbolisch für den Wunsch unserer beiden Völker an, niemals wieder gegeneinander Krieg zu führen.
Wir sind entschlossen, auch andere Fragen, die unsere beiden Länder angehen, nach der Methode der Konsultation zu behandeln und uns weiter zu bemühen, etwaige Ursachen von Meinungsverschiedenheiten aus dem Wege zu räumen, um auf diese Weise zur Sicherung des Friedens Europas beizutragen.
München, den 30. September 1938.
Adolf Hitler Neville Chamberlain
9 Münchener Abkommen vom 29. 9. 1938, s. o.
2) Vom 18. 6. 1935.

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