SÜDTIROLABKOMMEN 1946

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(Gruber-de Gasperi)
5. Lieferung, @ Politisches Lexikon, Hannover Dezember 1967
Österreichisch-italienisches Abkommen
über Südtirol vom 5. September 1946
(Gruber—de Gasperi-Abkommen)
Nach: United Nations Treaty Series Vol. 49 P. 184.
1. Den deutschsprachigen Bewohnern der Provinz Bozen und der benachbarten zweisprachigen Ortschaften der Provinz Trient wird vollständige Rechtsgleichheit mit den italienischsprachigen Einwohnern im Rahmen besonderer Maßnahmen zum Schutze des Volkscharakters und dei kulturellen und wirtschaftlichen Entwicklung des deutschsprachigen Bevölkerungsteiles zugesichert werden.
Im Einklang mit einer schon vorbereiteten oder in Vorbereitung befindlichen Gesetzgebung wird den deutschsprachigen Staatsbürgern insbesondere folgendes gewährt werden:
a) Volks- und Mittelschulunterricht in der Muttersprache;
b) Gleichstellung der deutschen und italienischen Sprache in den öffentlichen Ämtern und amtlichen Urkunden, wie auch bei den zweisprachigen Ortsbezeichnungen;
c) Das Recht, die deutschen Familiennamen, die in den letzten Jahren italienisiert wurden, wiederherzustellen;
d) Rechtsgleichheit hinsichtlich der Einstellung in öffentliche Ämter, um ein angemessenes EinstellungsVerhältnis zwischen den beiden Volksgruppen zu erzielen.
2. Der Bevölkerung der oben erwähnten Gebiete wird die Ausübung einer autonomen regionalen Gesetzgebungs- und Exekutivgewalt gewährt werden. Der Rahmen für die Anwendung dieser autonomen Einrichtungen wird in Beratung auch mit einheimischen, deutschsprachigen bevollmächtigten Persönlichkeiten festgelegt werden.
3. In der Absicht, gutnachbarliche Beziehungen zwischen Österreich und Italien herzustellen, verpflichtet sich die italienische Regierung, innerhalb eines Jahres von der Unterzeichnung des vorliegenden Vertrages an:
a) in einem Geiste der Billigkeit und. Weitherzigkeit die Frage der Staatsbürgerschafts-Optionen, die sich aus dem Hitler-Mussolini-Abkommen von 1939 ergeben, zu revidieren;
b) zu einem Abkommen der gegenseitigen Anerkennung der Gültigkeit gewisser akademischer Grade und Universitätsdiplome zu gelangen;
c) ein Abkommen für den freien Personen- und Güterdurchgangsverkehr zwischen Nord- und Osttirol auf dem Schienenwege und weitgehend auch auf dem Straßenwege auszuarbeiten;

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SÜDTIROLABKOMMEN 1946
(Gruber-de Gasperi)
d) besondere Vereinbarungen zur Erleichterung eines erweiterten Grenzverkehrs und eines örtlichen Austausches gewisser Mengen charakteristischer Erzeugnisse und Güter zwischen Österreich und Italien zu schließen.

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