Wer war George Catlett Marshall ?

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  • geboren: 31. 12. 1880 in Uniontown, Pennsylvania
  • schloß 1902 das Militärinstitut von Virginia ab
  • hatte von 1902-1903 und von 1913-1916 ein Kommando auf den Philippinen
  • kämpfte im Ersten Weltkrieg in Frankreich
  • von 1924-1927 Offizier in Tiensin, China
  • von 1927-1932 Ausbilder an der Infanterieschule in Fort Benning, Georgia
  • Generalstabschef der US-Armee von 1939-1945 (unter Übergehung von 34 rangälteren Generälen von Präsident Roosevelt ernannt), vergrößerte in dieser Zeit die US-Armee von 200 000 Mann auf 8,5 Millionen, organisierte die amerikanische Kriegführung im Zweiten Weltkrieg, wie zum Beispiel die Invasion in der Normandie, wurde unter anderem von Winston Churchill ausgezeichnet
  • 1944: Beförderung zum Fünf-Sterne-General
  • versuchte 1946 in einer Sondermission den Konflikt in China zwischen Chiang Kai-shek und den Kommunisten beizulegen
  • wurde am 9.1.1947 Aussenminister der USA (Nachfolger von Byrnes)
  • Initiator des nach ihm benannten Programms zur europäischen Aufbauhilfe (ERP – European Recovery Program / Marshallplan), erstmals vorgetragen in der berühmten Rede in der Harvard-Universität am 5.6.1947
  • setzte sich für bessere Wirtschaftsbeziehungen zwischen Südamerika und den USA ein
  • in seine Amtszeit als Aussenminister fiel unter anderem die Berlin-Blockade 1948
  • nahm an allen großen Kriegs- und Nachkriegskonferenzen zwischen 1941 und 1948 teil
  • trat 1949 wegen einer Nierenerkrankung aus dem politischen Dienst vorerst zurück
  • nach dem Ausbruch des Koreakrieges im Juli 1950 übernahm er Mitte September 1950 auf Wunsch von Präsident Truman das US-Verteidigungsministerium
  • es gelang ihm, schlagkräftige Truppenverbände für Korea zu mobilisieren
  • half bei der Entwicklung der NATO mit
  • trat am 12.9.1951 als Verteidigungsminister zurück
  • bekam 1953 zusammen mit Albert Schweitzer den Friedensnobelpreis zugesprochen; er ist bis heute der einzige Berufssoldat, der den Friedensnobelpreis bekam
  • lehnte es trotz einiger lukrativer Angebote bis zu seinem Tode immer ab, seine Memoiren zu schreiben; Begründung: er wolle sich nicht an seinem Wirken für die Öffentlichkeit bereichern und keine lebenden Persönlichkeiten durch seine Sichtweise der historischen Ereignissen in Verlegenheit bringen
  • bekam 1959 den Karlspreis der Stadt Aachen, „verliehen für hohe Verdienste um den wirtschaftlichen Wiederaufbau Europas durch den nach ihm benannten Marshallplan, die Stärkung des Einigungsgedankens und des Willens zur Selbsterhaltung der westeuropäischen Völker“, wie es in der Verleihungsurkunde hieß. Aufgrund seiner Krankheit nahm seine Frau die Auszeichnung entgegen.
  • gestorben am 16.10.1959; begraben auf dem Nationalfriedhof in Arlington bei Washington.
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Urteile über George Marshall und den Marshallplan

  • TIME Magazine, January 3, 1944The American people do not, as a general rule, like or trust the military. But they like and trust George Marshall. This is no more paradoxical than the fact that general Marshall hates war. The secret is that American democracy is the stuff Marshall is made of.Hired by the U.S. people to do a job, he will be as good, as ruthless, as tough, as this job requires. There his ambitions stop. „He has only one interest,“ said one of his intimates, „to win this damned war as quick as he can, with the fewest lives lost and money expended, and get the hell down to Leesburg, Va., and enjoy life.“ He shuns all avoidable publicity, he is a man of great personal reserve, but the U.S. people have learned why they trust General Marshall more than they have trusted any military man since George Washington: he is a civis Americanus.
  • Der frühere Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland, Heinrich Lübke (CDU, 1959 -1969), erklärte, George Marshall werde im deutschen Volk, dem er in Zeiten großer materieller Not neue Hoffnung geschenkt habe, unvergessen bleiben.

 

  • DER SPIEGEL, Sonnabend, 22. November 1947

George Catlett Marshalls Name gibt für Europa ein dankbares Wortspiel ab. Es ist sogar schon behauptet worden, Marshall habe die Ernennung zum Marschall nur deshalb abgelehnt, weil Marschall Marshall nicht gut klingen würde. In Wirklichkeit hat der jetzige Außenminister der USA den höchsten militärischen Rang erreicht, den die Staaten zu vergeben haben: Zusammen mit Mac Arthur und Dwight D. Eisenhower ist er Fünf-Sterne-General.

Es liegt dem aufrechten und ehrlichen 67jährigen, der jetzt als General des Friedens die Welt vor der Verelendung retten will, nicht, sich mit Titeln zu schmücken. Auch als Außenminister wartet er nicht mit großen Amtsbezeichnungen auf. In den USA wird dieser Posten einfach als Staatssekretär geführt. Dabei ist George C. Marshall nach Präsident Truman der höchste Mann im Lande. Er hört sich trotzdem am liebsten Mr. Marshall nennen.

  • Emmanuel Todd, Weltmacht USA, Ein Nachruf, erschienen bei Piper, München
    Zürich, 4.Auflage 2003, S. 93f.

Nach dem Zweiten Weltkrieg, als Europa und Japan in Trümmern lagen und der
Ostblock sich als neuer Machtfaktor etablierte, organisierten die Vereinigten Staaten
ihre Einflußsphäre als globales System, in dem sie das Zentrum bildeten. Schritt für
Schritt setzten sie in dem System für Handel und Finanzen Spielregeln durch, die ihren
ideologischen Präferenzen entsprachen mit dem einzigen Ziel, den geographischen
Raum zusammenzuschweißen, den sie militärisch und politisch kontrollierten. Es steht
außer Zweifel, daß die Vereinigten Staaten zu Anfang vollkommen zu Recht
behaupteten, sie sorgten für Wohlstand auf dem größten Teil des Planeten. Es wäre
absurd, die Entstehung dieser Weltordnung als zerstörerischen Vorgang zu betrachten:
Die Wachstumsraten der Jahre 1950-1975 belegen das Gegenteil. Der Marshall-
plan
versorgte Europa mit den notwendigen Mitteln für den Wiederaufbau und
bewahrte die Vereinigten Staaten vor einer neuerlichen Wirtschaftskrise wie 1929.
Er war ein Akt politischer und wirtschaftlicher Intelligenz, wie es nur wenige andere in
der Geschichte gibt. Wir können diese Zeit darum als positiven Imperialismus
bezeichnen.

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