Abschlussprüfungen (zentrale)

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In einigen deutschen Bundesländern (z.B. Bayern, Baden-Württemberg) gibt es zentrale Abschlussprüfungen bereits seit mehreren Jahrzehnten. Andere Bundesländer haben sie im Zuge der allgemeinen Bemühungen weg von einer Inputsteuerung hin zu einer stärkeren Outputsteuerung des Bildungssystems erst in den vergangenen Jahren eingeführt. Im Schuljahr 2010/11 verfügte Rheinland-Pfalz als einziges Bundesland über keine zentralen Abschlussprüfungen.

Zentrale Abschlussprüfungen sollen letztlich zur Qualitätssicherung und -entwicklung des Bildungssystems beitragen. Denn eine Vielzahl von Studien hat ergeben, dass Schülerinnen und Schüler bei gleichen Kompetenzen je nach Schule, Bildungsgang oder Wohnort oftmals ganz unterschiedliche Schulnoten erzielen. Zentrale Abschlussprüfungen stellen ein Mittel zur Vereinheitlichung der Maßstäbe zur Beurteilung von Schülerleistungen dar. Somit machen sie den Leistungsstand der Schüler aus verschiedenen Schulen transparent und vergleichbar. Zum einen können zukünftige Arbeitgeber und weiterführende Bildungseinrichtungen bei zentralen Prüfungen bessere Rückschlüsse auf die Fähigkeiten einzelner Bewerber ziehen. Dies führt dazu, dass Schüler einen größeren Anreiz haben sich anzustrengen. Letzteres gilt aber auch für Lehrer, da der Erfolg des eigenen Unterrichts durch zentrale Prüfungen für Eltern und Schulleiter besser messbar und vergleichbar wird. Außerdem zahlt es sich bei zentralen Abschlussprüfungen – anders als etwa bei nicht zentraler Leistungsmessung z.B. durch den Klassenlehrer – nicht aus, etwa die Vermittlung ganzer Wissensgebiete auszulassen, oder kollektiv zu vereinbaren, den Lehr- und/ oder Lernaufwand zu minimieren.

In der Tat zeigt die bildungsökonomische Forschung, dass sich Schülerleistungen durch zentrale Abschlussprüfungen erheblich steigern lassen. In internationalen Schulleistungsvergleichen wie PISA oder TIMSS verfügen Länder, in denen zentrale Abschlussprüfungen bestehen, über einen Wissensvorsprung von bis zu einem Schuljahr. Als besonders leistungsförderlich hat es sich erwiesen, durch zentrale Abschlussprüfungen Standards extern vorzugeben und zu überprüfen, und dies mit einem hohen Grad an Schulautonomie zu kombinieren.

In Deutschland hat die Kultusministerkonferenz im Jahr 2008 eine verbindliche Vereinbarung über Einheitliche Prüfungsanforderungen (EPA) in der Abiturprüfung getroffen, um die Gleichwertigkeit der schulischen Ausbildung und die Vergleichbarkeit der Schulabschlüsse in der BRD zu sichern. Funktion der EPA ist es insbesondere, durch die Beschreibung konkreter Lern- und Prüfungsbereiche und die Bereitstellung von Hilfen zur Konstruktion von Prüfungsaufgaben und zur Bewertung von Prüfungsleistungen ein einheitliches und angemessenes Anforderungsniveau zu sichern. Fünf Bundesländer, nämlich Bayern, Baden-Württemberg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern, haben ferner angekündigt, ihre Abiturprüfungen in Deutsch und Mathematik in Zukunft (d.h. bis zum Jahr 2013) gemeinsam zu entwickeln, damit die Prüfungsleistungen vergleichbarer werden.

Literatur:

Wößmann, L. (2005), „Leistungsfördernde Anreize für das Schulsystem”, ifo Schnelldienst 19, 18-27.

Wößmann, L. (2007), Letzte Chance für gute Schulen. Die 12 großen Irrtümer und was wir wirklich ändern müssen, Zabert Sandmann, München.

Wößmann, L. (2008), „Zentrale Abschlussprüfungen und Schülerleistungen: Individualanalysen anhand von vier internationalen Tests”, Zeitschrift für Pädagogik 54 (6), 810–826.

Webseite zu Bildungsstandards für die Abiturprüfung und zu EPA: http://www.iqb.hu-berlin.de/bista/abi

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Abschlussprüfungen (zentrale)

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Wirtschaftskompass: 5.5 Zentrale Abschlussprüfungen

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