Abschreibungsmethoden

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Abschreibungen auf Vermögensgegenstände lassen sich im Rahmen der Perpetual-Inventory-Methode (PIM) nach den Vorgaben der OECD, generell in zwei Abschreibungsprofile unterteilen: das Lebensdauer-Preis- (age-price profile) und das Lebensdauer-Effizienz-Profil (age-efficiency profile). Bei ersterem Konzept erfolgt die Bestimmung der Abschreibungen über den Wertverlust (Marktwert) eines Vermögensgegenstandes. Dazu werden u.a. empirische Informationen über die Lebensdauer eines Vermögensgegenstandes sowie zusätzlich Annahmen über die funktionale Form des Abschreibungsmusters, als auch Preise gebrauchter Vermögensgegenstände verwendet. Im Gegensatz dazu handelt es sich bei der Abschreibungsmethode über das Lebensdauer-Effizienz-Konzept um ein Mengenkonzept, das Abschreibungen hinsichtlich der produktiven Effizienz eines Vermögensgegenstandes berücksichtigt. Auch hier finden Informationen zur Lebensdauer des Vermögensgegenstandes Verwendung. Grundsätzlich können unterschiedliche Alterungsmuster der Anlagegüter zugrunde gelegt werden, wie z.B. hyperbolisch, linear oder geometrisch. Eine Unterscheidung nach diesen Abnutzungskonzepten ist in soweit sinnvoll, da ein Anlagegut auch dann noch im Produktionsprozess eines Unternehmens eingesetzt werden kann, wenn dessen Wert nach betriebswirtschaftlicher Vorgehensweise bereits vollkommen abgeschrieben ist. In der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR) für Deutschland erfolgt eine Umsetzung dieser beiden Konzepte über das Brutto- und Nettokonzept. Beim Bruttokonzept wird die effektive Nutzung des Anlagegutes berücksichtigt, indem es bis zu seinem vollständigen Ausscheiden mit dem Neuwert ohne jegliche Berücksichtigung von Abschreibungen angesetzt wird, wodurch es sich insbesondere für die Analyse von Produktionsprozessen eignet. Eine Umsetzung des Lebensdauer-Preis-Profils wird mittels des Nettokonzepts erreicht, bei dem Anlagegüter mit ihrem Zeitwert (Marktwert) bewertet werden. Für Anlagegüter für die keine derartigen Zeitwerte verfügbar sind, erfolgt eine Bereinigung um die bisher angefallenen Abschreibungen.

Literatur:

Jorgenson, D. W. (1996), „Empirical Studies of Depreciation”, Economic Inquiry 34, 24–42.

Jorgenson, D. W., M. Ho und K. Stiroh (2005), Productivity – Information Technology and the American Growth Resurgence, Vol. 3, MIT Press, Cambridge, MA.

OECD (2009), Measuring Capital – OECD Manual 2009, 2. Aufl., OECD Publishing, Paris.

Schreyer, P., P. Bignon und J. Dupont (2003), „OECD Capital Services Estimates: Methodology and a First Set of Results”, OECD Statistics Working Paper, OECD Publishing, Paris.

Schmalwasser, O. und M. Schidlowski (2006), „Kapitalstockrechnung in Deutschland“, Wirtschaft und Statistik 11, Statistisches Bundesamt, Wiesbaden.

Schlagwort:
Abschreibungsmethoden

JEL Code:
[D920] Intertemporal Firm Choice and Growth, Financing, Investment, and Capacity

Wirtschaftskompass: 1.4 Investitionsquoten

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