Galatee

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Ganz dieselbe Kraft nur rascher wirksam macht sich geltend wenn Sie des Morgens aufwachen genau dieselbe Kraft die von der Empfängnis durch das Embryonalleben bis zu der Geburt führt gewissermaßen verdünnt macht sich geltend wenn Sie vom Schlafen ins Aufwachen übergehen. Es ist genau dieselbe Kraft. Aber diese Kraft ist nicht nur in Ihnen im Innern in Ihnen sondern diese Kraft ist durch das ganze äußere Kosmische ausgedehnt lebt überall in den Dingen und Vorgängen. Diese Kraft die ist die Tochter des kosmischen Verstandes. Die Uteruswärme die Gebärmutterwärme ist genau dasselbe was die Sonne draußen ist für die gesamte Welt-Vegetation. Es ist schon bedeutsam anerkennen zu können daß dasjenige was der Mikroskopiker im Kleinsten sieht forwährend makrokosmisch überschaut werden kann draußen in der Welt. Die Kraft die dem Menschen-Werden zugrunde liegt ist draußen in der makrokosmischen Welt. Denken Sie sich diese Kraft personifiziert diese heilige Kraft des Menschen-Werdens in ihrem geistigen Korrelat draußen erfaßt außerhalb des menschlichen Leibes geistig-seelisch und Sie haben Galatee verwandt mit alle dem was zu ihr gehört ihren Schwestern den Doriden. In diesen Imaginationen werden wir schon hineingeführt in eine geheimnisvolle aber durch und durch wirkliche Welt. Es ist eine der tiefsten Szenen (im Faust II) die Goethe geschrieben hat. Und er war sich dessen bewußt daß man im höchsten Alter eine Ahnung haben kann von diesen tiefsten Naturgeheimnissen. [1]

Wir sehen Bild für Bild indem Goethe überall zeigen will wie der Weg (ist) wenn er versucht wird (zu gehen) vom Homunkulus zum Homo den Menschen führt von sinnlicher Verstandeserkenntnis die nur den Homunkulus liefern kann zur übersinnlichen Erkenntnis die erst an den Homo herankommen kann. Denn wenn der Mensch mit dieser übersinnlichen Erkenntnis zur Selbsterfassung zu dem Hineinstellen seines eigenen Wesens in das Praktische und in das Weltenall wirklich gekommen ist dann erlebt der Mensch etwas das Goethe nun grandios in dem Schluß dieser Szene hinstellt. Der Mensch der nun in übersinnlicher Erkenntnis sich hinaufgeschwungen hat und wiederum wie in einem Erwachen aus tiefem Schlaf zurückkehrt um sich seiner sinnlichen Augen seiner sinnlichen Ohren zu bedienen seines sinnlichen Verstandes dem ist es schon so wie es einem ist wenn man hier am Schluß dieser Szene auf der Bühne sieht daß der Wagen der Galatee heranrückt Homunkulus auf dem Weg zum Homo zerschellt an diesem Muschelwagen der Galatee. So ist es daß unsere übersinnliche Erkenntnis wenn wir sie herübertragen wollen in die Welt in der Augen sehen Luft und Wasser Natur und Erde in der Ohren die irdischen Töne hören in der der physische Verstand denkt. So ist es daß wenn wir die Homo-Erkenntnis herübertragen in diese Welt sie wie zerschellt an der äußeren physischen Erkenntnis. Das kommt wie ich glaube wirklich grandios in diesem Schluß der Klassischen Walpurgisnacht Goethes zum Ausdruck. [2]

Zitate:

[1]  GA 273 Seite 210f   (Ausgabe 1981 286 Seiten)
[2]  GA 277 Seite 45f   (Ausgabe 1980 620 Seiten)

Quellen:

GA 273:  Geisteswissenschaftliche Erläuterungen zu Goethes «Faust» Band II: Das Faust-Problem. Die romantische und die klassische Walpurgisnacht (1916-1919)
GA 277:  Eurythmie – Die Offenbarung der sprechenden Seele. Eine Fortbildung der Goetheschen Metamorphosenanschauung im Bereich der menschlichen Bewegung (1918-1924)

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