SA – Die Sturmabteilung im Dritten Reich

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Die SA war die uniformierte und bewaffnete Kampf-, Schutz- und Propagandatruppe der NSDAP. Sie wurde 1920 als „Ordnertruppe“, d. h. als Saalschutz für politische Veranstaltungen der Nationalsozialisten, gegründet und rekrutierte sich vor allem aus ehemaligen Soldaten. 1921 wurde die Truppe unter der Leitung ehemaliger Freikorpsoffiziere, unter ihnen Ernst Röhm, zum Teil mit Mitteln der Reichswehr in einen paramilitärischen Kampfverband umgewandelt und schon bald auch für propagandistische Zwecke und gezielte Terroraktionen gegen politische Gegner eingesetzt.

Nach dem gescheiterten Hitler-Putsch am 9. November 1923 wurde die inzwischen von Hermann Göring geleitete Organisation verboten und ihr Führer wurde Ernst Röhm. 1925 erfolgte der Neuaufbau der SA. Nach Auseinandersetzungen mit Hitler um den Status der SA innerhalb der NSDAP trat Röhm 1925 von der Leitung der SA zurück, SA-Chef wurde nun Franz Pfeffer von Salomon. Unter ihm entwickelte sich die SA zu einem weitgehend unabhängigen, zentral gelenkten Kampfverband. Die Mitgliederzahl stieg von etwa 30 000 (1924) auf 80 000 (1930). Nach Konflikten mit Pfeffer von Salomon über den Einfluss der NSDAP auf die SA übernahm Hitler im Herbst 1930 selbst die Führung der SA; im folgenden Jahr rief er Röhm zurück und ernannte ihn zum Stabschef, also zum Leiter der SA. 1932 hatte die SA etwa 220 000 Mitglieder. Sie beherrschte mit ihren Aufmärschen und Gewaltaktionen schon bald das Straßenbild der Weimarer Republik.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 wurde die SA, inzwischen auf etwa 700000 Mitglieder angewachsen, zum Teil auch als Hilfspolizei zur Verfolgung von politischen Gegnern und Juden eingesetzt. Im Frühjahr 1933 errichtete die SA die ersten Konzentrationslager.

Gegenüber der Partei führte die SA zunehmend ein Eigenleben, und Röhm als Chef der größten Organisation innerhalb der NSDAP beanspruchte mehr Einfluss und Macht für sich und die Organisation. Mit seinem Plan, SA und Reichswehr zu einem Volksheer unter seiner Führung zu vereinen, forderte Röhm den Widerstand nicht nur der Reichswehroffiziere, sondern vor allem Hitlers heraus. Unter dem Vorwand des so genannten Röhm-Putsches ließ Hitler am 30. Juni 1934 die gesamte Führungsriege der SA ermorden. Unter ihrem neuen Stabschef Viktor Lutze konnte die SA ihren alten Einfluss nicht mehr wieder erlangen, an ihre Stelle trat die aus der SA herausgelöste SS.

rev. ff, 2.2.04

 

Literatur

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Benz, Wigbert / Bernd Bredemeyer / Klaus Fieberg: Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg. Beiträge, Materialien Dokumente. CD-Rom, Braunschweig 2004.

Fallois, Immo von: Kalkül und Illusion. Der Machtkampf zwischen Reichswehr und SA während der Röhmkrise 1934. Duncker und Humblot, Berlin 1994.

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Gossweiler, Kurt: Die Röhm-Affäre. Hintergründe – Zusammenhänge – Auswirkungen. Köln 1983.

Gritschneder, Otto: „Der Führer hat Sie zum Tode verurteilt…“. Hitlers „Röhm-Putsch“-Morde vor Gericht. München 1993.

Höhne, Heinz: Der Orden unter dem Totenkopf. Die Geschichte der SS. Augsburg 1996.

Höhne, Heinz: Mordsache Röhm. Hitlers Durchbruch zur Alleinherrschaft 1933 – 1934. Reinbek 1984.

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Longerich, Peter: Die braunen Bataillone. Geschichte der SA. München 1989.

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Richardi, Hans-Günter/ Schumann, Klaus: Geheimakte Gerlich-Bell. Röhms Pläne für ein Reich ohne Hitler. München 1993.

Richardi, Hans-Günter: Schule der Gewalt. Die Anfänge des Konzentrationslagers Dachau 1933 – 1934. Ein dokumentarischer Bericht. München 1983.

Schulz, Paul: Meine Erschießung am 30. Juni. Stuttgart 1967.

Stresemann, Wolfgang: Wie konnte es geschehen? Hitlers Aufstieg in der Erinnerung eines Zeitzeugen. Berlin 1987.

Weißbuch über die Erschießungen des 30. Juni. Paris 1934.

Werner, Andreas: SA und NSDAP. SA: „Wehrverband“, „Parteigruppe“ oder „Revolutionsarmee“?: Studien zur Geschichte der SA und der NSDAP 1920-1933. Erlangen-Nürnberg 1965.

 

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